Weil ich es kann …

…und was mir gerade einfällt…

ich habe Angst

Written By: OhneWorte - Mrz• 07•11

Ich habe Angst! Ich weiß nicht was passiert!

Es ist dunkel und kalt. Ich liege auf dem Rücken. Ich liege im Schlamm und es regnet. Es herrscht wieder einmal die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm, man hört nur das Prasseln des Regens. Ich sehe nach rechts und links, dort sehe ich meine Kameraden, die wie ich nur darauf warten losstürmen zu dürfen. Wir sind alle bereit und warten auf den Befehl.

Doch dann befiel mich plötzlich wieder dieses Gefühl. Es war eines jener Gefühle, welche man nicht wirklich beschreiben kann. In letzter Zeit hatte ich es öfter. Aber immer nur dann, wenn einer unserer Angriffe total schief ging. Sollte ich es meinen Kameraden sagen, dass die meisten von uns diese Nacht nicht überleben werden?

Ich hatte Angst! Sollte ich heute etwa auch sterben! Oder zum Krüppel werden?

Nein. Ich beschloss ihnen nichts zu sagen. Das letzte Mal hatten sich alle über mich lustig gemacht. Aber allen, denen ich es erzählt hatte, sind jetzt tot.

Ich hatte Angst! Was würde geschehen?

Dann ertönte das Gebrüll unseres Vorgesetzten, wir sprangen auf, wir rannten los, ich entsicherte mein Gewehr. Dann sah ich sie. Ich nahm sie aber nur als bewegte Zielscheiben wahr.

Dies ist der Moment, an dem ich immer meinen Verstand ausschaltet. Ich drücke ab! Außer dem Rattern meines Maschinengewehrs bekomme ich nichts mehr mit. Ich bemerke noch nicht einmal mehr den Regen, der auf meinem Helm trommelt. Ich bin ein Tier! Ohne zu denken, schlachteten sich tausend von Menschen ab.
Waren wir überhaupt noch Menschen oder einfach nur gefühllose Maschinen?

Ich hatte Angst! Ich fing wieder an zu denken. Erst jetzt wurde mir bewusst, was ich tat. Sekunden später spürte ich einen beißenden Schmerz in der Brust. Ich wurde durch einen Schlag zu Boden gerissen.

Ich hatte Angst! Dann wusste ich was es war. Ich wurde von einer Kugel getroffen.

Es war dunkel und kalt. Ich lag auf dem Rücken. Ich lag im Schlamm. Ich spürte den Regen wieder, als er mir ins Gesicht fiel. Ich spürte, dass ich viel Blut verlor. Ich war müde. Müde vom vielen Kämpfen. Ich hörte den Lärm und die Schrei auf dem Schlachtfeld. Ich spürte jeden Regentropfen einzeln im Gesicht. Ich hatte plötzlich die Antwort auf alle Fragen. Ich wusste auch, dass ich gehen musste.

Ich habe keine Angst mehr! Ich habe nie so viel gelebt wie jetzt in diesem Augenblick. Ich muss einfach rufen, dass mir alles Leid tut. Dann schließe ich die Augen und entschwebe in eine höhere Dimension.

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One Comment

  1. Lukas sagt:

    Das ist mal ein gut geschriebener Eintrag, vielen Dank. Muss man erstmal verarbeiten. Generell finde ich den Blog gut zu lesen und leicht zu verstehen.

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