Weil ich es kann …

…und was mir gerade einfällt…

Ein neuer Morgen

Written By: OhneWorte - Mrz• 14•11

Ah, verdammt, es fängt schon wieder so an, wie gestern. Mein Wecker klingelt. Und es ist dunkel! Ein Tag der so anfängt kann ja nicht gut werden. Ich versuche das Klingeln zu ignorieren. Vielleicht hört er ja gleich wieder von alleine auf. Ich drücke meine Augen zu, in der Hoffnung, dass es bald wieder vorbei ist und ich wieder weiter schlafen kann.
Warum fällt mir ausgerechnet jetzt ein Gedicht von Wilhem Busch ein, naja es passt ja schon irgendwie, deshalb rezitiere ich es leise:

Versäumt

Zur Arbeit ist kein Bub geschaffen,
Das Lernen findet er nicht schön;
Er möchte träumen, möchte gaffen
Und Vogelnester suchen gehn.

Er liebt es, lang im Bett zu liegen.
Und wie es halt im Leben geht:
Grad zu den frühen Morgenzügen
Kommt man am leichtesten zu spät.

Irgendwie ist es schon seltsam, dass mir so was in solch einer Situation einfällt.
„Willst du nicht den Wecker ausschalten,“ spricht eine verschlafene, weibliche Stimme neben mir. „Den habe ich gestern wohl vergessen aus zu stellen. Tut mir leid.“ Ich muss träumen. Erst bin ich deutlich überrascht, nach wenigen Augenblicken beschließe ich aber den Traum zu genießen. Ohne meine Augen zu öffnen suche ich nach dem Wecker. Ertaste den Nachttisch, da das könnte der Wecker sein. Haue auf den Wecker. Hilft nichts. Er klingelt weiter. Ich will aber nicht aufwachen. Nehme den Wecker in die Hand und werfe ihn gegen die Wand.
„Warum wirfst du denn dein Handy gegen die Wand.“ Die verschlafene, weibliche Stimme, klingt irgendwie amüsiert. Ein weiblicher Köper beugt sich über mich. Die Welt scheint für einen Moment stehen zu bleiben. Das ist einfach zu schön um wahr zu sein, das muss ein Traum sein. Einen kurzen Augenblick später hört der Wecker auf zu klingeln. „So, mein Lieber, jetzt kannst du noch eine Weile weiter schlafen.“ Mit einem Kuss legt sie sich wieder neben mich und schmiegt sich an mich.
Wow, was für ein spitzen Traum, hoffentlich wache ich so schnell nicht wieder daraus auf. Bloß nicht aufwachen. Bloß nicht aufwachen! Bloß nicht aufwachen, denke ich mir. Dann schlafe wieder ein.

Als ich wieder aufwache, ist es bereits Tag. Zumindest scheint die Sonne durch das Fenster. Ich greife neben mich ins Bett. Da ist niemand, also doch nur ein Traum und blöderweise bin ich doch aufgewacht. Verdammt! Ich drehe mich um.
Mit großem Schrecken stelle ich fest, dass ich nicht in meinem Bett liege. Hauptsächlich merke ich es daran, dass außer mir und dem Bettzeug nichts im Bett liegt, keine alten Kleider, keine alten Pizzaschachteln und auch keine Essensrest. Dies alleine hätte aber noch nicht für die Erkenntnis ausgereicht. Doch was mir wirklich auf die Sprünge hilft ist die Tatsache, dass das Zimmer in dem sich dieses Bett zu befinden scheint aufgeräumt, ordentlich und sauber ist. Wo bin ich denn hier, was mache ich hier, wie bin ich hier her gekommen und vor allem, wie komme ich hier wieder weg.
Verschlafen und verwirrt setze ich mich auf. In diesem Moment erreicht der Duft von frischem Kaffee meine Nase. Aber noch bevor ich mich darüber wunder kann fliegt die Zimmertür freudig auf und es erscheint eine engelsgleiche Gestalt mit zwei Kaffeetassen in der Hand. Ich bereite mich schon darauf vor, den Kaffee über geschüttet zu bekommen und angeschrien zu werden. Doch wird mir lediglich ein freundliches „Guten Morgen, Schlafmütze, ich habe uns Kaffee gemacht,“ zugeworfen. Bis gerade eben dachte ich wirklich, dass meine Verwirrung nicht größer werden konnte, aber sie schafft es doch noch einmal mich weiter zu verwirren, in dem sie strahlend ergänzt. „Ich habe auch schon Brötchen in den Ofen geschoben.“ Offensichtlich bin ich zum Frühstück eingeplant.
Ich muss tot sein, aber ich erinnere mich nicht gestorben zu sein. Gut, gehen wir einfach mal davon aus, dass ich noch am Leben bin und das ganze hier auch real ist. Das heißt ich muss jetzt was sagen. Nur nichts blödes, sag jetzt nur nichts Blödes womit du die Sache kaputt machen würdest. „Meinst du wirklich mich? Oder ist etwa noch jemand da?“ Ich schaue mich verwirrt um. VERDAMMT! Jetzt habe ich doch was Blödes gesagt, was mache ich nur. Das war ja mal wieder typisch. Wo ist meine Hose, ich muss hier weg.
„Aber natürlich meine ich dich. Wenn denn sonst?“
Ich weiß nicht was hier los ist, irgendwie macht die Situation mir Angst. Sag etwas nettes, etwas lustig um die Situation zu entspannen. „Bin ich etwa todkrank und habe irgendwie deinen Mutterinstinkt geweckt, was zu dieser Mitleidsaktion deinerseits geführt hat?“ Arg, was mache ich da nur. Wie komme ich dazu so einen Mist zu verzapfen. Ich reite mich ja immer weiter rein.
Aber sie lächelt wie die aufgehende Morgensonne, was ihre Schönheit nur noch weiter betont. „Aber nein, mein kleiner verwirrter Liebling. Also ich hoffe doch, dass du nicht tot krank bist. Mit Mitleid hat es auf jeden Fall nichts zu tun. Willst du denn deine Kaffee nicht?“
Ich nehme ihr eine der Tassen ab und nehme einen Schluck. Wow, der Kaffee ist echt verdammt gut. Irgendwas stimmt hier nicht. „Irgendwas stimmt hier nicht,“ höre ich mich sagen. Und als ob das nicht reichen würde ergänze ich das Ganze noch. „Ich meine schaue mich doch mal an, ich bin ja nicht gerade das, was man als schön bezeichnen würde und süß bin ich auch nicht wirklich. Du dagegen siehst aus wie ein wundervoller, bezaubernder Engel, mit einem Lächeln das die dicksten Wolken vertreiben kann und die Sonne aufgehen lässt. Also wenn ich nicht tot bin und das Ganze auch nichts mit Mitleid zu tun hat, was ist das ganze hier? Und vor allem, wie komme ich überhaupt hier her? Wo bin ich denn eigentlich? Wer bist du denn und überhaupt, welchen Tag haben wir denn heute?“ Mist, Mist, Mist! Warum schaffe ich es einfach nicht meine Klappe zu halten. Ist das denn so schwer? Warum muss ich dann alles kaputt machen. Doch scheint sie das alles weder zu überraschen, noch in irgendeiner Form abzuschrecken oder gar zu erschrecken. Irgendwas stimmt hier nicht.
Sie lacht laut auf. Nicht böse. Mehr so wie man über etwas lacht, dass man zwar erwartet, aber nicht daran geglaubt hat. Es ist ein Lachen, dass einem sagt, alles wird gut. Irgendwas stimmt hier nicht. Ich habe Angst und bin verwirrt. Und diese Frau ist echt verdammt schön, wie sie sich so neben mich auf das Bett setzt genüsslich von ihrem Kaffee trinkt. Mir aufbauend auf den Oberschenkel klopft, mich anlächelt und mir sagt: „Ich habe ja wirklich nicht daran geglaubt als du es mir erzählt hast, aber scheint wohl wirklich so zu sein. Also gut dann erkläre ich es dir.“
Ich kann gar nicht mehr beschreiben wie verwirrt ich bin. Aber jetzt bin ich gespannt was sie mir erzählen wird.
Was sie mir nun erzählt ist erst mal so unglaublich, dass ich gar nicht weiß wie ich damit umgehen soll. Scheinbar ist sie wohl schon seit ein paar Wochen meine Freundin. Noch bevor ich sie fragen kann wie es dazu kam, da ich wenn wir mal ehrlich sind, nicht gerade der Schönste bin und auch ungefähr so weit von Süß entfernt bin, wie Dieter Bohlen von gutem Musikgeschmack, drückt sie mir einen Zettel in die Hand.
„Ich hätte ja nie gedacht, dass du das ernst meinst, aber diese Nachricht sollte es dir erklären. Zumindest hast du mir das so gesagt.“

Hallo ich,

glaube ihr. Sie hat vollkommen Recht. Sie ist deine Freundin, das heißt aber auch, dass du ihr Freund bist.
Das du dich gerade nicht an die letzten Wochen erinnern kannst, liegt an deinem zu großen Alkoholkonsum gestern. Aber sie weiß Bescheid. Es ist leider auch nicht das erste Mal, dass uns so etwas passiert. In ein paar Tagen kommt alles wieder.
Zum Schluss noch zwei Sachen. Erstens, das Ganze hat nichts mit Aliens zu tun. Und Zweitens, was noch viel wichtiger ist: Höre auf blöde Fragen zu stellen und freue Dich über das ganze! In ein paar Tagen wirst Du es verstehen.

Liebe Grüße
Du

„Das ist ja tatsächlich meine Handschrift.“ Stelle ich erstaunt fest. „Aber wenn dem so ist… gut. Wer bin ich denn mir selbst zu Wiedersprechen.“
Danach kann ich mich nur noch an einen langen und innigen Kuss erinnern.
Was danach folgte war einfach nur ein wundervolles, wärmendes und erfüllendes Gefühl von Glück.

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No Comments

  1. Judith sagt:

    Und ich will immer noch wissen, was mit dem Kerl passiert ist…!
    🙂

  2. Raphael sagt:

    Coole, abgedrehte Story erinnert etwas an Memento 🙂

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