Weil ich es kann …

…und was mir gerade einfällt…

Ein Grund nicht in die Vorlesung zu gehen- eine fast wahre Geschichte für einen ehrlichen Entschuldigungsversuch

Written By: OhneWorte - Jan• 19•11

Es war mal wieder einer jener Tage, wie wir sie ja alle kennen, an denen man es einfach nicht schafft in seine Vorlesungen und Seminare zu gehen. Dafür aber dann Erkenntnisse bekommt, welche das Leben grundlegend verändern. Doch leider war dies und alle daraus resultierenden Schwierigkeiten meinem Dozenten egal. Doch bot er mir ‚liebevoll‘ an das Seminar im nächsten Jahr zu wiederholen. Aber ich schweife ab. Dabei will ich doch nur erzählen, was mir widerfahren ist.

Wie immer beginnt alles eines schönen Morgens.

Es ist ein wunderschön verregneter Mittag als ich aufwache, ich glaube es ist ein Dienstag. Es könnte aber auch ein Donnerstag oder Mittwoch sein, wer kann das schon so genau sagen?

Es tobt ein wundervolles Gewitter, wie man es sonst nur aus den besten Katastrophenfilmen kennt. Eigentlich ein ganz hübscher Anblick. Doch von Aufwachen kann eigentlich auch nicht wirklich die Rede sein, vielmehr öffnen sich meine Augen. Ich fühle mich, als habe ich überhaupt nicht geschlafen. Die Müdigkeit droht mich wieder zu überwältigen. Ich merke, wie ich dem Schlaf langsam wieder in seine besänftigenden Arme rutsche.

Plötzlich trifft es mich wie der Schlag! Mein Kopf brummt wie ein 40-Tonner, welcher bergauf ausgebremst wird. Er ist bestimmt auch so groß wie ein 40-Tonner. An Schlaf ist mit diesem Kopf nun nicht mehr zu denken. Es blitzt, es donnert und regnet noch mehr und stärker als vorhin.

Ein neuer Kopf! Damit müsste ich doch bestimmt wieder schlafen können. Doch wo bekomme ich so auf die Schnelle einen neuen Kopf her? Ich beschließe im Internet nach einem zu suchen, vielleicht klappte es ja. Dort findet sich ja schließlich fast alles und wer weiß, mit Expressversand könnte es doch klappen, dass ich bald wieder schlafen kann. Langsam setze ich mich auf. Ohne auch nur die geringste Verzögerung, beginnt sich alles zu drehen. Ich halte mich an der nächstbesten Möglichkeit fest. Die Drehzahl nimmt langsam wieder ab. Doch dauerte es noch eine gute viertel Stunde, bis die Welt sich wieder beruhigt hat. Mit einiger Mühe stelle ich fest, dass ich mich an meinem Bett festhalte. Ich schaffe es, daraus den Schluss zu ziehen, dass ich nicht in meinem Bett liege.

Es blitzt und donnert immer noch. Auch der Regen prasselt weiterhin unaufhörlich durch das offene Fenster. Daher also meine nassen Füße. Zwischen meinen Füßen und dem Fenster hat sich nämlich mittlerweile eine Wasserpfütze gebildet, welche es ohne weiteres mit dem Mittelmeer aufnehmen kann. Vielleicht sollte ich das Fenster schließen. Es kann ja nicht schaden. Langsam versuche ich aufzustehen. Nur nicht zu schnell, sage ich mir, sonst beginnt sich nur wieder das Zimmer zu drehen. An die Wand gestützt, nur zur Sicherheit, beginne ich mich Zentimeter für Zentimeter nach oben zu arbeiten. Doch bin ich noch immer recht wackelig auf den Beinen. Endlich stehe ich wieder auf meinen Beinen. Vorsichtig löse ich mich von der Wand. Nun stehe ich frei, zwar immer noch etwas wackelig und mit einem monströsen Brummschädel, doch ich stehe. Obwohl alles schwankt, gelingt es mir stehen zu bleiben. Behutsam versuche ich mich an einem ersten Schritt. Alles schwankt noch etwas mehr. Doch er gelingt mir. Schnell mache ich noch eine zweiten und einen dritten Schritt. Sie klappen immer besser. Mit jedem Schritt mit dem ich mich an das Fenster annähere, fühle ich mich sicherer. Schritt vier. Wunderbar. Weiter geht es.

Doch zu früh gefreut. Ich habe meine Schuhe übersehen! Gerate ins stolpern. Falle. Zum Glück falle ich auf mein Bett. Erleichtert atme ich auf, während ich meine Schuhe aus dem Fenster fliegen sehe und auf meinem Bett aufschlage. Staub und alte Wäsche wird aufgewirbelt. Zwar war es eine weiche Landung, doch lande ich leider mit dem Gesicht in einer alten Pizza. Dem Bewuchs und der Bevölkerung nach muss sie schon eine ziemlich lange Zeit da liegen. Sie sieht fast so aus wie eine Pizza Hawaii, doch wer kann das unter dem ganzen Bewuchs so genau sagen. Gleichzeitig wird mir auch bewusst, dass ich gar nicht mehr weiß, wann ich mein Bett zum letzten Mal gesehen habe. Durch ein sachtes krabbeln in meiner Nase werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Mir kabbelt etwas in der Nase!

Irgendwie regt das Krabbeln in meiner Nase mein Synapsen an. Langsam spinne ich mir einen Plan zurecht und merke das Krabbeln schon fast nicht mehr, so sehr bin ich schon in meinen Gedanken versunken. Möglicherweise, wenn ich noch zwei oder drei Tage warte, bildet sich vielleicht eine primitive Kultur auf meiner Pizza, die mich dann als Gott verehrt.

Das wäre toll. Wollte schon immer mal ein Gott sein.

Muss Niesen. Das reißt mich wieder aus meinen Gedanken. Da war ja noch etwas in meiner Nase.

Ein merkwürdiges Insekt wird aus meiner Nase geschleudert. Schlägt in einer wundervollen Pizza-Landschaft ein. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass es Hawaii sein muss, ich glaube das eine da könnte mal Ananas gewesen sein. Lässt sich aber wirklich nicht mehr so genau sagen, einfach zu viel Bewuchs.

Von der Pizza steigt eine kleine Staubwolke von der Stelle auf, in die das Insekt eingeschlagen ist. Mit ein wenig Glück habe ich ja gerade die Grundlage für intelligentes Leben auf meine Pizza geniest. Ist es nicht toll ein Gott zu sein?

Geistige Notiz an mich selbst: Pizza, auf dem Bett, pflegen! Will ja ein guter Schöpfer sein. Pizza nicht wegwerfen!

Gäbe sicherlich nur Ärger mit dem Umweltministerium oder dem Naturschutzbund, wenn ich solch ein wundervolles und schönes Biotop zerstören würde.

Ich könnte ja mit meiner Pizza ein Naturschutzgebiet aufbauen, Eintritt verlangen und außerdem in meiner Küche fürchterlich überteuerte Snacks und Getränke verkaufen. Damit hätte ich dann auch endlich ausgesorgt und könnte in Ruhe das machen, was ich schon immer wollte.

Gut, das wäre eigentlich nicht viel, doch könnte ich dann ja endlich nichts machen. Und das sehr ausgiebig und erschöpfend. Also noch viel intensiver als ich das jetzt schon tue.

Plötzlich spüre ich wieder meine nassen Füße, welche ich schon fast vergessen habe und wurde so mal wieder aus meinen Träumereien gerissen. Die Wasserpfütze auf meinem Boden breitet sich weiter aus. Das Fenster! Es ist noch immer offen. Es donnert, blitzt und regnet noch immer.

Langsam stehe ich mühsam wieder auf und kämpfe mich weiter Richtung Fenster vor. Ich wate durch das kalte Wasser, näher an das Fenster.

Langsam, Schritt für Schritt, taste ich mich durch das trübe Wasser. Doch dann gerate ich ins rutschen. Stolpere. Falle. Stürze nach vorne. Schlage mit meinen Kopf gegen das geöffnete Fenster. Es schlägt zu. Geschafft, denke ich mir, als ich im Fallen noch sehe, wie es nun plötzlich aufhört zu regnen. Schlage flach auf dem Wasser auf. Löse eine Tsunamiwelle aus. Sie fegt über meine Pizza-Welt hinweg.

Tja, das war es dann wohl mit meiner eigenen kleinen, primitiven Kultur. Verdammt! Also, habe ich in meinem Job als Gott wohl auch versagt.

Vielleicht auch besser so, dass er vorüber ist. Wäre doch nur wieder viel zu viel Verantwortung und Arbeit gewesen.

Total durchnässt, erleichtert und auch etwas traurig, begebe ich mich Richtung Küche. Denn ich sollte etwas essen. Habe Hunger.

Wenn ich jetzt etwas Glück habe, findet sich in meinem Kühlschrank noch etwas zu Essen.

Verlasse mein Schlafzimmer. Im Flur schwimmt mir mein Sofa entgegen. Das sollte doch eigentlich in meiner Küche stehen?

Stelle fest, dass wohl fast meine ganze Wohnung unter Wasser stehen muss, als ich so meinem schwimmenden Sofa zuschaue. Habe wohl auch vergessen mein Küchenfenster zu schließen. Lege mich auf mein Sofa. Schön, fast wie ein Wasserbett. Eigentlich ganz angenehm. Daran könnte man sich fast gewöhnen. Dann schlafe ich ein. Zum Glück ist der Tag vorbei.

Das dachte ich zumindest. Doch zu früh gefreut. Völlig ohne Vorwarnung klingelt es neben meinem Ohr. Ich schrecke auf. Schaue mich um. Frage mich, warum mein Sofa im Flur schwimmt. Irgendwie kommt mir dieser Gedanke bekannt vor. Doch klingelte es immer noch. Es muss mein Telefon sein, denn der Klingelton kommt mir seltsam bekannt vor. Setze mich auf. Bekomme nasse Füße. Da war doch was. Mein Sofa schwimmt und das tut es für gewöhnlich auf Wasser, wenn es auch eher selten schwimmt, dann aber immer in Wasser. Nehme die Füße wieder hoch. Taste mein Sofa nach dem Klingeln ab. Finde endlich mein Telefon. Es lag wohl neben mir auf dem Sofa und klingelte mittlerweile sehr penetrant. Ich nehme es in die Hand und lese die Anzeige auf dem Display: „Achtung!! Tschakeline – NICHT ran gehen!!!“ Schön, denke ich mir, so ein Telefon mit Nummernspeicher. Das „NICHT ran gehen!!!“ ist bestimmt wichtig, wenn ich mir schon die Mühe mache es in mein Telefon ein zu speichern. Vielleicht sollte ich mich daran halten.

Ich nehme ab.

Verschlafen melde ich mich mit: „Ja, wer stört?“

SO!“ Brüllt es mir aus dem Hörer entgegen. „Jetzt störe ich also schon! Erst lässt du mich einfach sitzen und jetzt störe ich schon! Sag mal, was ist denn kaputt in deinem Kopf!“

In diesem Moment fällt mir auch wieder ein, warum ich „NICHT ran gehen!!!“ eingespeichert habe und was es zu bedeuten hatte.

Sag mal! Hörst du mir überhaupt zu?!“

Mein Trommelfell ist kurz davor zu platzen. Immer noch nicht ganz wach, antworte ich: „Hä, bitte?“

Das war ja wirklich klar! Das ist ja wieder typisch!“

Ich glaube langsam ist sie wirklich sauer auf mich. Ich nehme vorsichtshalber den Akku aus meinem Telefon.

Genieße die Ruhe. Schlafe wieder ein. So ein Wasserbett ist doch etwas Tolles.

Erschrocken schrecke ich plötzlich auf. Jetzt weiß ich ja gar nicht mehr, wenn ich nicht ans Telefon gehen soll. Denn jetzt ist ja auch mein Nummernspeicher im Telefon gelöscht. Aber darum kümmere ich mich morgen. Lasse den Akku aber vorerst draußen, denn jetzt dürfte Tschakeline wirklich sauer sein, glaube ich.

Beschließe nun den Tag zu beenden. Denn nach solchen Tagen schaffe ich es ja doch nicht mehr in meine Vorlesung. Alleine schon wegen meiner emotionalen Verfassung. Dazu kommt ja auch noch der Schock durch diesen Anruf. Sanft schlafe ich wieder auf meinem Sofa ein. Das Schwanken ist sehr angenehm. Fast wie auf einem Wasserbett.

Aber immerhin habe ich vier wichtige Dinge gelernt:

1. Kellerwohnungen sind doch nicht so toll wie ich immer dachte.

2. Ein Wasserbett wäre wohl ganz toll.

3. Wenn dir dein Telefon sagt: „NICHT ran gehen!!!“, sollte man sich daran halten.

Und außerdem, was wohl am wichtigsten ist:

4. Gott hat einen schweren Job und wohnt sicherlich nicht in einer Kellerwohnung.


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